frustration kann auch ein zuhause sein.

Hallo meine Lieben!,

ihr kennt das sicherlich, Bewerbung schreiben. Bewerbung über Bewerbung. Du findest eine Stelle nach der anderen, wo du dir denkst „Wow, ich muss das machen!“ und dann gibst du alles für die Bewerbungen, setzt dich stundenlang dran, perfektionierst die Wortwahl und nervst alle in deinem Umfeld, sie sollen sich deine Bewerbungen durchlesen, denn du willst nur eins: diese Stelle ! Du schickst sie ab, per Mail, per Post, fährst sogar hin und gibst es persönlich ab, hast dich vorher natürlich stundenlang hübsch gemacht, denn vielleicht sagt der Mitarbeiter dem du die Bewerbung in die Hand drückst ja seinem Vorgesetzen, das du nett und gepfelgt aussiehst. Du bist deine Bewerbung also los geworden. Vielleicht hattest du vorher sogar schon Kontakt mit dem betreffenden Unternehmen und sie haben dir den Eindruck gegeben, dass die Einsendung deiner Bewerbung nur noch reine Formalität ist, denn sie wollen dich. Also bist du happy, erleichtert endlich die Bewerbungen draußen zu haben, voller Tatendrang. Überlegst dir wie es sein wird, wo du wohnst, wie deine Uniform wohl aussieht, oder was du tragen darfst. Im Kopf gehst du sogar soweit dich anderen vorzustellen:“ Hey, ja ich heiße Carolin. Was ich mache? Ich mache grade eine Ausbildung zur XXX“. Du bist stolz auf das was du sein wirst. Und du wartest. Und wartest. Und wartest. Tage, Wochen, Monate. Von geschätzten 20 Bewerbungen, melden sich 15 erst gar nicht. Das Unternehmen, was dir quasi schon zugesagt hat eingeschlossen. Und dann wirst du traurig, denn die anderen 5 sagen dir ab. Einfach, weil jemand mit Abitur nachtürlich bevorzugt wird, für eine Stelle, für die man es nicht mal braucht. Selbst wenn du eine erstklassige abgeschlossene Ausbildung hast, in der gehobenen Gastronomie zum Beispiel. Denn theoretisches Wissen wiegt selbstverständlich mehr als Praxiserfahrung. Natürlich ist es besser, jemanden zu haben, der fachlich erste Sahne ist und überhaupt nicht mit Kunden umgehen kann, als jemand der fachlich nicht auf den Kopf gefallen ist, kein Abitur hat, und sogar Menschenkenntnis besitzt, denn schließlich hat er 3 verdammte Jahre mit Menschen in jeder Lebenslage gearbeitet. Ich möchte damit niemanden angreifen, ich hoffe, falls jemand der Abitur besitzt, das liest, ist er nicht sauer. Ich verstehe es einfach nur nicht. Abitur ist schön und gut, aber doch längst nicht alles. Wenn nur noch Abiturienten genommen werden, was passiert dann mit den tatkräftigen Schulabgängern ohne Hochschulreife? Ich habe das Gymnasium besucht, bis zur zweiten Qualifikationsphase zum Abitur, Mitte 11. Klasse. Was man da lernt braucht man doch nur fürs Abitur und sicher nicht dafür, Bücher ins Regal zu stellen, offen und freundlich zu Kunden zu sein, und diverse Verwaltungsarbeiten zu machen. Das was du in der Schule lernst, hat doch rein gar nichts damit zutun wer du bist und was du kannst. Klar, für einige Berufe ist Abitur notwendig, das streite ich nicht ab. Aber wenn es für den Beruf, für den ich mich bewerbe nicht zwangsläufig notwendig ist, warum gibt man mir dann keine Chance zu zeigen, das das was ich tue mir genauso viel Spaß macht und ich mit genauso viel Ehrgeiz und Tatendrang dabei bin, wie jemand mit Abitur ? Sorry, Leute, ich bin einfach nur frustiert. Denn ich warte. Und warte. Und warte…

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4 Gedanken zu “frustration kann auch ein zuhause sein.

  1. Auch wenn das jetzt vielleicht nicht viel tröstet: Mir geht´s mit Abitur auch nicht anders. Der k.o.-Faktor in meinen Bewerbungsschreiben liegt im Lebenslauf, unter „Familienstand“, da steht nämlich „ein Kind“. Peng, raus. Da kann ich hundertmal argumentieren, Mütter sind zäh, Mütter sind top organisiert, Mütter sind gewissenhaft und lebenserfahren und bla. Hartnäckig bleiben, unbedingt! Mein Mann hat sich auch ohne Abitur hochgeackert – dauert manchmal, aber irgendwann, nach ein bisschen mehr Berufserfahrung, fragt kein Mensch mehr danach, ob man Abitur hat.

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    • Weißt du, mein Abgangszeugnis ist mies, ich beende im Winter meine Ausbildung zur hotelfachfrau in der gehobenen Hotellerie. In der Berufsschule seit Beginn immer einen 1er-Schnitt, und ich verkürze als einzige meines Jahrgangs im Betrieb. Ich bin grade 20 geworden. Ich hätte nicht mal ein Problem damit mein Abitur nachzuholen, aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit mit fast 24 eine Ausbildung zu bekommen? Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, in deinem Fall genauso wenig. Das du Mutter bist macht aus dir doch niemanden, der ständig fehlt oder unmotiviert und übermüdet ist. Denke mal davon geht man bei Müttern am ehesten aus, oder? Das sie wegen des Kindes oft fehlen, müde sind, überfordert. Aber das stimmt doch genauso wenig, wie das Menschen ohne Abitur nicht so gute Arbeit leisten wie die mit..

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      • Nee, bei Müttern ist es so, dass man zu unflexibel ist wegen der Kinderbetreuung – sobald die KiTa Ferien macht, ist man zum Beispiel nicht mehr verfügbar – und weil Kinder eben häufig Kinderkrankheiten haben. Das ist tatsächlich alles schwierig unter einen Hut zu kriegen. Müde ist man eher weniger, man lernt nämlich, auch gut mal mit nur zwei oder drei Stunden Schlaf auszukommen und dabei nicht mal zu nölen ;D Ich bin jetzt im kaufmännischen Bereich, da wären meine superschlechten Mathe-Noten aus der Schule normalerweise ein totales Ausschlusskriterium gewesen, aber mein Ausbildungszeugnis als Buchhändlerin war dann so super, dass ich danach sofort einen Job bekam – und niemand aufs Abizeugnis guckte. Und mit Deinem Berufsschulzeugnis wirst Du auch die richtigen Leute überzeugen können, ganz sicher, nur kann ich total verstehen, dass es Dich frustriert, wenn man auf dem Weg dahin 20, 30 Absagen bekommt. Davon darfst Du Dich aber nicht total entmutigen lassen – diese Durststrecken kennen wir auch. Ich weiß nicht, wie hart der Markt so in Deinem Berufsfeld ist, aber gerade bei Azubis und Berufsanfängern ist es generell heftig schwierig, erst einmal was zu finden. Ich kenne ziemlich viele Selbstständige, und die meckern alle, die jungen Leute, die sich auf einen Platz als Auszubildende/r bewerben seien zu oft unselbstständig, wenig engagiert, lustlos, könnten nicht gut mit Leuten umgehen. Auf das, was Du in Deinem Text beschreibst – dass Du Dich so um die Stellen bemühst, nachfragst, persönlich hingehst, Interesse zeigst, mit Leuten kannst – wird viel mehr geachtet, als Du vielleicht glaubst!

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      • Nun, dann ist der Witz an der Sache einfach, das ich gerne als Buchhändlerin arbeiten möchte. Ich weiß, in dem Bereich gibt es viel zu wenige Plätze für viel zu viele Azubis. Aber wenn ich mich bei großen Konzernen melde, mit angebe das sie mich im gesamten Bundesgebiet einsetzen können.. Mir auf Nachfrage hin quasi schon zusagen und sich dann einfach nicht mehr melden oder absagen, weil kein Abitur.. Dann versteh ich das einfach nicht!

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